Orgeln - Evangelische Kirchengemeinde

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Historisches

Über die Orgeln in der Alten Kirche
- hervorragende Bedingungen für Konzerte -

1688 tritt das hiesige Consistorium zu einer Sitzung am 28. Januar zusammen und hat eine umfangreiche Tagesordnung zu bewältigen. Aus dem Kreis der Anwesenden kommt der Vorschlag, für die Kirche, die vermutlich noch Lamberti-Kirche hieß (sie war in vorreformatorischer Zeit dem heiligen Lambertus gewidmet), eine Orgel zu beschaffen. Da dies zu "Ehren des allerhöchsten Gottes" geschehen sollte, stimmte jeder freudig zu. Zwei Monate später, am 4.3.1688 legte der Consistoriale Johan Hegmann Unterschriften von Gemeindegliedern vor, die bereit waren, für die neue Orgel zu spenden. Im April war auch der 'Orgelmacher' mit Orgelbaumeister Weidtmann aus Ratingen gefunden, der die Orgel für 425 Reichsthaler bauen würde. Bereits im Oktober sollte die Orgel fertig sein und in der Kirche gespielt werden können. Die 'Liebhaber' spendeten nicht nur den Betrag für die Orgel, sondern legten zugleich soviel Kapital zusammen, dass davon auch der Organist bezahlt werden konnte.



Die etwa 800 Jahre alte Kirche wurde zwischenzeitlich baufällig. Der Turm, in dem die Orgel stand, zerfiel zusehendst und sollte abgerissen werden, weil herabfallende Steine Gottesdienstbesucher und Passanten gefährdeten. Kurzerhand wurde 1725 nicht nur der Turm, sondern auch das Kirchenschiff, bis auf den später gebauten Chor, gänzlich abgerissen. Die Orgel überlebte diesen desolaten Zustand verständlicherweise nicht. Nach Fertigstellung der Kirche im Jahre 1726 wurden zunächst alle anderen Einrichtungen, wie Kanzel, Bänke, Glocken und Uhr angeschafft, bevor etwa in den Jahren 1744/47 die Orgel erneuert werden konnte.

1835 ist sie erneut in einem so schlechten Zustand, dass eine neue Orgel nötig wurde. Das Presbyterium lädt den Orgelbauer Joh. Peter Fabritius aus Jüchen bei Grevenbroich ein und bittet ihn um ein Gutachten und einen Kostenvoranschlag. Am 7. Sept. 1835 geht das Gutachten mit Kostenvoranschlag ein und wurde nach Berlin an Musikdirektor Barth weitergereicht. Am 14. Oktober 1835 beschließt die 1. Versammlung der Gemeinde-Repräsentation (größere Gemeindevertretung) mit 28:18 Stimmen die Anschaffung einer neuen Orgel. Fabritius bekommt den Auftrag und stellt der Gemeinde für die Bauzeit eine Interimsorgel zur Verfügung. 1839 wird die Orgel fertig; sie kostete 1719 Thaler (preußisch Courant). Die Abnahme erfolgt durch den Elberfelder Organisten Schornstein. Er bescheinigt, dass die Disposition dem Vertrag entspricht und das ganze Werk einen "frischen kräftigen Klang und hinreichend Stärke für den Raum" hat. Dem Erbauer wird Sorgfalt und Geschicklichkeit bescheinigt. Die weitere Pflege wird dem Orgelbauer Ibach aus Barmen übertragen, weil Fabritius inzwischen krank wurde und seine Firma in Schwierigkeiten geriet.

Woran es gelegen hat, ist nicht mehr nachzuprüfen, jedenfalls ist 1873 eine größere Orgelreparatur erforderlich, die das Presbyterium jedoch verschiebt. Drei Jahre später beklagt der pensionierte Lehrer und damalige Organist Volkening erneut den schlechten Zustand der Orgel und wünscht sich eine neue. Die Entscheidung darüber schiebt das Presbyterium jahrelang vor sich her. Volkening und auch sein Nachfolger Lehrer Schauß kamen nicht mehr in den Genuss, die neue Orgel zu spielen. Letzterer hatte zwar ebenfalls noch 1884 eine gründliche Reparatur der Orgel beantragt, stattdessen überlegte das Presbyterium jedoch eine ganz neue Orgel zu beschaffen. Schauß starb im März 1886, kurz nachdem im Februar 1886 der Kgl. Hoforgelbaumeister Wilhelm Sauer aus Frankfurt/Oder eine Disposition und einen Kostenvoranschlag vorlegte.

Wollte die Gemeinde Langenberg 1726 mit dem Bau einer neuen Kirche diese "größer, weiter, höher, luftiger und vor allem würdiger" als die bisherige, wählte sie mit Sauer wohl den damals bekanntesten und besten unter den Orgelbauern. Seine Orgel sollte 7.300 Mark kosten und am 1. August 1886 fertig sein. Zur Finanzierung nahm die Gemeinde eine Anleihe auf. Sauer übernahm den "bäuerlich-barocken" Fabritius-Prospekt und stattete die Orgel mit einer reichen Auswahl an wirkungsvollen Klangkombinationen aus.

Der von Musikdirektor G.H. Witte, Essen, erstattete Abnahmebericht schwärmt geradezu von der gleichmäßigen Intonation der einzelnen Register, der handwerklich sorgfältigen Arbeit und den weiteren Vorzügen einer angenehmen Spielart, die es dem Orgelspieler ermöglicht, sich rasch zu orientieren und den ganzen ihm zur Verfügung stehenden Apparat mit Leichtigkeit zu handhaben. Diese "Königin der Instrumente" wurde seitens des Presbyteriums in den weiteren Jahren sträflich vernachlässigt, denn alle Eingaben und Appelle der Organisten wurden nicht gehört und Entscheidungen immer wieder vertagt. Der Zustand verschlechterte sich bei jedem Instrument so sehr, dass immer ein völlig neues angeschafft werden musste. Dazu kam jedoch auch, dass jeder Zeitgeschmack seine eigenen Vorstellungen über Klang und Funktion einer Orgel hatte.

Als die Gemeinde 1936 die Kirche einem umfangreichen Umbau unterzog, wurde auch die Orgel durch Orgelbauer Faust/Schwelm erneuert. Er legte einen Kostenvoranschlag in Höhe von 8.230 Mark vor und baute sie zu einer elektrisch-pneumatischen Orgel um. Auch er beließ es bei dem alten Fabritius-Prospekt und verwendete 11 Register aus der Sauer-Orgel. Er veränderte diese jedoch entsprechend dem damaligen Zeitgeschmack und in Anpassung an die von ihm erstellten neuen Register, für die er zum Teil minderwertiges Material (gutes Zinn war damals bereits als Rüstungsgut knapp) benutzte, so dass die Qualität der Sauerorgel verloren ging.

40 Jahre später, als wieder einmal umfangreiche Reparaturen an der Kirche notwendig wurden - das 250-jährige Jubiläum der Kirche stand bevor - sollte auch die Orgel wieder erneuert werden. Die Beratungen zogen sich länger hin. Das Presbyterium trug sich mit dem Gedanken, die noch in der Neuen Kirche vorhandene "Original"-Sauerorgel in die Alte Kirche umzusetzen. Je länger jedoch darüber beraten wurde, um so mehr nahmen Presbyterium und die mit dem Neubau der Orgel befassten Gremien, denen auch Prof. Dr. Wolfgang Stockmeier angehörte, von dieser Idee Abstand. Diese Orgel war für die Alte Kirche nicht geeignet. Das Presbyterium bat Prof. Stockmeier um die Erarbeitung der Disposition, die er in enger Zusammenarbeit mit der Osnabrücker Orgelbaufirma Matthias Kreienbrink (gegründet 1790) erstellte.

Die ursprünglichen Sauer-Register, von deren Existenz keiner etwas ahnte, wurden von Kreienbrink sorgfältig restauriert und in die neue Orgel wieder einbezogen. Ferner erwies es sich, dass die romantisch-weich klingende Trompete von Faust durchaus neben einer neu zu bauenden schärferen eine Funktion haben könnte. Das Landeskirchenamt war zunächst mit dieser Disposition nicht ganz einverstanden und machte eigene Vorschläge. Das Presbyterium schloss sich jedoch bei seiner letztendlichen Entscheidung der Auffassung von Prof. Stockmeier an und bestellte die Orgel nach der von ihm erarbeiteten Disposition.

Die Orgel hat 26 Register auf 2 Manualen und Pedal. Die Spieltraktur ist mechanisch, weshalb der Spieltisch vor der Orgel angeordnet ist, Registertraktur nebst allen Spielhilfen elektrisch. Eine 8-fache Setzerkombination, bedienbar per Hand oder Fuß, gehört zu den Besonderheiten der Orgel. Wie ihre Vorgängerinnen steht sie zurückgesetzt im Turm und bietet dadurch bei Orchester- und Chormitwirkung für diese noch genügend Platz. Sie kostete 345.410,-- DM, von denen an Spenden von Gemeindegliedern über 170.000,-- DM einkamen.

Der Fabritius-Prospekt wurde mit kleinen Änderungen erneut verwandt. Die neue Disposition musste selbstverständlich auf den starken Anteil alter, charaktervoller Register Rücksicht nehmen. Ebenso wie die Ausstattung des Spieltisches wurde die klangliche Gestaltung der Orgel von Prof. Dr. Wolfgang Stockmeier maßgebend mitgeprägt. Der Gesamtklang zeichnet sich durch eine gute Durchhörbarkeit aller Stimmen sowie eine tadellose Verschmelzungsfähigkeit aus.

Der landeskirchliche Abnahmebericht bescheinigt der Gemeinde, mit dieser Orgel ein Instrument erworben zu haben, welches dem Aufgabenbereich des Gottesdienstes im Hinblick auf qualifizierte Orgelmusik in jeder Beziehung gewachsen ist. Darüber hinaus ist es dazu befähigt, den überwiegenden und bedeutenden Teil der Orgelliteratur gültig darzustellen.

Durch die hervorragende Ausstattung des Spieltisches und die kunstvolle klangliche Ausgestaltung sind für Konzerte hervorragende Bedingungen geschaffen. So entstand 1983 eine mechanisch betriebene Orgel, deren Klang in seiner eigentümlichen Schönheit unwiederholbar ist und noch heute, 15 Jahre nach ihrer Einweihung, Zuhörer in ihren Bann zieht.
Velbert-Langenberg, den 31. Oktober 1998  (Hermann G. Waeger)

Während der Reparaturarbeiten am Kirchturm, die 2009 begannen, war die große Orgel nicht bespielbar. In dieser Zeit konnte die Peter-Orgel aus der Kirche Eichenkreuzhöhe den Dienst in der Alten Kirche übernehmen. Sie wurde generalüberholt und bekam ein neues, dem Inneren der Alten Kirche farblich angepasstes Gehäuse. Sie konkurriert nicht mit der "großen Schwester" sondern unterstützt sie als zweites Instrument bei Gelegenheit mit ihrem weichen Klang.


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